Batterie- oder Wasserstoffspeicher: Alternative Antriebe für den Regionalverkehr in Berlin-Brandenburg

16. September 2021

225.000 Menschen machen sich täglich von Brandenburg auf nach Berlin, um zur Arbeit zu fahren – ein Rekord im bundesdeutschen Vergleich. Umso wichtiger sind klimafreundliche Alternativen zum Auto. Schon heute sind 84% des Schienenverkehrs im Verbundgebiet Berlin-Brandenburg elektrisch unterwegs, nun sollen auch die letzten Linien auf umweltfreundlichere Antriebe umgestellt werden. Auf dem Korridor des Prignitz-Express untersucht Ramboll den Einsatz alternativer Antriebe im Regionalverkehr.

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Ralf Jugelt

Ralf Jugelt

Senior Consultant
Telefon: +49 1525 3218016

Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen scheidet nach derzeitigem Stand eine vollständiger Elektrifizierung auf dem Korridor des Prignitz-Express mit einer wechselstromführenden Oberleitung aus. Trotzdem sollen langfristig keine Dieselfahrzeuge mehr auf der Strecke unterwegs sein und auf klimafreundlichere Alternativen gesetzt werden. Dieses Ziel kann nur mit dem Einsatz alternativer Antriebe realisiert werden. Ramboll wurde daher vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) im Rahmen des i2030-Projekts beauftragt, mehrere Varianten zu untersuchen und prüft, ob sich batterieelektrische oder wasserstoffbetriebene Züge mit Brennstoffzellenantrieb besser eignen. Damit könnte auf eine vollständige Elektrifizierung der Gesamtstrecke verzichtet werden.

Optimale Alternative für innerstädtische Bereiche mit beengten Platzverhältnissen

„Das Projekt zeigt, dass nicht jede Bahnstrecke mit Standardlösungen elektrifiziert werden kann und ist somit ein gutes Beispiel dafür, warum innovative Antriebstechnologien ein Schlüsselfaktor für den Erfolg der Verkehrswende sind“, sagt Ralf Jugelt, Projektleiter und Senior Consultant bei Ramboll. Er ist Experte für den Betrieb von Verkehrssystemen und hat an mehreren Forschungs- und Entwicklungsprojekten zum Einsatz innovativer Technik im Bereich des schienengebundenen Verkehrs mitgewirkt. „Ein wesentlicher Vorteil der beiden alternativen Antriebstechnologien ist, dass entlang der Strecke weniger Infrastruktur im Vergleich zur Vollelektrifizierung benötigt wird. Batterieelektrische- und Wasserstoffantriebe sind also insbesondere für Regionalverkehrskorridore mit geringeren Zugzahlen oder für Abschnitte im innerstädtischen Bereich mit beengten Platzverhältnissen eine spannende Alternative, da sie weniger ortsfeste Infrastruktur als Oberleitungen oder Stromschienen benötigen“, erklärt Jugelt.

Die Straßennetze entlasten und Emissionen reduzieren

Das Beispiel des Prignitz-Express zeigt, dass gerade diese Korridore wichtige Lebensadern für die Vernetzung von Stadt und Umland sowie die Erschließung der Fläche sein können. Alternative Antriebstechnologien im Schienenverkehr können hier dazu beitragen, das Straßennetz langfristig zu entlasten, die verkehrsbedingten Emissionen deutlich zu reduzieren und somit die Lebensqualität entlang der Strecke deutlich zu erhöhen.

In die Untersuchung der unterschiedlichen Varianten fließen neben den verkehrstechnischen Aspekten auch umwelttechnische und wirtschaftliche mit ein. Beispielsweise soll beim Einsatz von Wasserstoffantrieben ausschließlich Sonnen- und Windenergie aus der Region zur Gewinnung des Wasserstoffs genutzt werden. „Wir bei Ramboll sind überzeugt, dass ökologische und ökonomische Vorteile Hand in Hand gehen können. Darauf arbeiten wir auch in diesem Projekt hin.“ So berechnet Ramboll im Rahmen des Projekts auch die Wirtschaftlichkeit der Varianten.

Der Auftrag von Ramboll umfasst eine Marktanalyse zu Fahrzeugen mit alternativen Antrieben, die Erstellung der Betriebskonzepte, die Dimensionierung der Infrastruktur zur Energieversorgung, einen wirtschaftlichen Vergleich der verschiedenen Lösungsmöglichkeiten und die Prüfung geeigneter Förderprogramme.

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